Brahms und seine Zeitgenossen Vol. IIIKontakt Im Auftrag von hänssler CLASSIC PR-Agentur Virginia Tutila exclusive public relations Krenkelstr. 22, 01309 Dresden +49 (0)351 - 31 39 769 +49 (0)351 - 31 40 809 virginia@tutila.de www.haenssler-classic.de |
Pressetext | Interpreten | Downloads | TracksVÖ: 16. März 2009Giuseppe Martucci (1856 – 1909) Sonate für Violoncello und Klavier, Op. 52 Johannes Brahms (1833 – 1897) Sechs Lieder für Violoncello und Klavier (arr. von Norbert Salter) Theodor Kirchner (1823 – 1903) Acht Stücke für Violoncello und Klavier, Op. 79 Johannes Moser, Violoncello • Paul Rivinius, Klavier SWR music / hänssler CLASSIC, CD 93.208 ____________________________________________ Leidenschaftliche Brahms-Apostel Ein Gespräch zwischen Johannes Moser (jm) und Richard Eckstein (re) re Wenn man die Reihe ,Brahms and his Contemporaries‘, die sich nun mit Volume 3 abrundet, Revue passieren lässt, dann sticht eine kompositorische Bandbreite ins Auge, die gewiss kaum jemand bei einem solchen Projekt vermutet hätte: In der ersten Ausgabe werden mit Zemlinsky, Fuchs und Brahms drei Komponistengenerationen miteinander konfrontiert, die Österreichs Hauptstadt zu ihrem Lebens- und Schaffensmittelpunkt gewählt hatten. Die zweite CD bietet eine besondere Form von Kontrastprogramm: Dort umkreisen zwei Künstlernaturen den „Fixstern Brahms“, die von ihrer Mentalität wie von ihrem Nachruhm nicht unterschiedlicher sein könnten: Heinrich von Herzogenberg, ein bedeutender Brahms-Verehrer, und der Münchner Richard Strauss, zum Zeitpunkt der Komposition glühender Wagnerianer. Wie sieht denn – direkt gefragt – das Beziehungsnetz zwischen den einzelnen Komponisten bei Volume 3 von ,Brahms and his Contemporaries‘ aus? jm Beide Zeitgenossen, der Italiener Giuseppe Martucci (1856 – 1909) und der aus der Nähe von Chemnitz stammende Theodor Kirchner (1823 – 1903), waren ausgesprochene Brahmsianer. Martucci kommt darüber hinaus der Rang zu, eine Art Schlüsselfigur für die ,Wiedergeburt‘ der Instrumentalmusik in Italien zu verkörpern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde fast die gesamte italienische Musikszene von der Oper beherrscht. Neben herausragenden pianistischen Fähigkeiten soll sich sein kompositorisches Talent bereits im Teenager-Alter gezeigt haben. Als Dirigent debütierte er 1877 in Neapel und formte aus dem von Fürst Francesco d’Ardore für ihn gegründeten Klangkörper – dem späteren Orchestrale napoletana – ein Spitzenensemble, mit dem er sich unermüdlich für die Verbreitung der Werke Beethovens und Wagners einsetzte. Die italienische Erstaufführung der Brahms-Sinfonien, bei der er selbst am Pult stand, geht auf seine Initiative zurück. Nur für diesen Zweck wurde eigens ein Orchester gegründet! Einen solchen Kollegen als ,Verkünder‘ kann man jedem Komponisten nur wünschen. Auf Martucci bin ich zum ersten Mal durch eine persönliche Empfehlung Riccardo Mutis aufmerksam geworden. Zum Glück gibt es von ihm außer zwei Sinfonien, die zu den raren Dokumenten italienischer Instrumentalmusik der Spätromantik zählen, auch eben jene Violoncello-Sonate. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass Martucci als junger Pianist mit dem berühmten Cellisten Alfredo Piatti eine Tournee durch Italien unternommen hatte. re Italienische Kammermusik aus dieser Zeit stellt gleichfalls eine ausgesprochene Seltenheit dar. Trifft das auch auf Theodor Kirchners OEuvre zu? jm Kirchner, der sogar zehn Jahre älter war als Brahms, schrieb beinahe ausschließlich für Klavier solo – und zwar ungefähr tausend überwiegend zwei- oder dreiteilige Stücke. Kammermusik mit Cello-Beteiligung ist bei ihm eher die Ausnahme. Nach seinen Aufgabengebieten zu urteilen, muss er ein Allround-Talent gewesen sein: Er arbeitete nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent, Chorleiter, Pianist, Organist, Kammermusiker und als Liedbegleiter des legendären Baritons Julius Stockhausen. 1865 lernte er Brahms in Baden-Baden persönlich kennen und zählte seitdem zu dessen aktivsten Anhängern. Immer wieder liest man, dass Kirchner als Mensch wohl keinen besonders umgänglichen Charakter hatte. Er soll in seiner Art recht schroff gewesen sein und außerdem sein Herz stets auf der Zunge getragen haben – Letzteres ein an sich sympathischer Wesenszug, der jedoch schon damals alles andere als ein Erfolgsgarant war. Für seine Kompositionen und Arrangements wurde er zwar gut bezahlt, dennoch verschlechterte sich in den 1880er Jahren seine finanzielle Lage zusehends. Da startete der Umkreis von Brahms eine einzigartige karitative Aktion, um durch Spenden bzw. Benefizkonzerte Kirchner und seiner Familie wieder auf die Beine zu helfen. re Hört man Kirchners ,Acht Stücken für Violoncello und Klavier‘ op. 79, die 1886 erschienen sind, irgendwelche biografischen Umstände an? jm Überhaupt nicht. Kirchner vermeidet zudem strikt alle auf äußere Wirkung und leere Virtuosität abzielenden Ausdrucksmittel. Schon Robert Schumann sprach von ihm als einer ,warmen Musikseele‘. Manche der hier eingespielten Stücke sind allerdings im Cellopart sehr melodisch-gesanglich gehalten und erinnern damit an die Bearbeitungen der sechs Brahms-Lieder für mein Instrument. re Ein doppelter Brückenschlag: von Italien als Land des Gesangs hin zu deutschem Kunstliedgut und von dort bis zu vokal geprägten Charakterstücken. Fühlen Sie sich als Sohn der Sopranistin Edith Wiens und als Neffe von Edda Moser dafür besonders prädestiniert? jm Ich kenne natürlich einige der Brahms-Lieder schon seit pränatalen Zeiten ... Nichtsdestotrotz wäre es ein Irrtum zu glauben, dass es dadurch leicht für mich gewesen wäre, dieses Repertoire (in der Bearbeitung von Norbert Salter) auf dem Cello zu spielen. Ich stand mehrmals vor der Entscheidung, ob ich mich nun für die Phrasierung der absenten Worte oder für eine rein instrumentale Gestik entscheiden sollte. Der Kenner der Lieder mag deswegen vielleicht überrascht sein ob dieser bewusst gewählten Differenzen. Allgemein ist für mich interessant, dass man, egal ob bei deutschem, französischem, russischem oder italienischem Repertoire, der Artikulation besonders gerecht werden kann, wenn man sich die Konsonantik der jeweiligen Landessprache vor Ohren führt. Lieder bzw. Arien bieten dazu natürlich eine hervorragende Anleitung. re Welche Bedeutung hatte der ECHO Klassik 2008 für Volume 1 von ,Brahms and his Contemporaries‘? jm Kurz gesagt: Es war eine entscheidende Ermutigung für die Weiterführung eines vermeintlich unpopulären Aufnahmeprojekts, das wir nun bewusst mit vorwiegend elegisch-stillen Werken ausklingen lassen möchten. » zurück zur Übersicht der Künstler |