Camille Saint-Saëns - Gesamtwerk für Cello und OrchesterKontakt SWR music / hänssler CLASSIC PR / Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg PR-Agentur Virginia Tutila Krenkelstr. 22, 01309 Dresden Tel.: +49 (0)351 - 31 39 769 Fax: +49 (0)351 - 31 40 809 virginia@tutila.de www.haenssler-classic.de |
Pressetext | Interpreten | Downloads | TracksVÖ: 19. September 2008CAMILLE SAINT-SAËNS (1835– 1921) - Gesamtwerk für Cello und Orchester Johannes Moser, Violoncello · Fabrice Bollon, Dirigent · Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR Cellokonzert Nr. 1 a-Moll, Op. 33 Cellokonzert Nr. 2 d-Moll, Op. 119 Suite für Violoncello und Orchester d-Moll, Op. 16 Romance für Violoncello und Orchester F-Dur, Op. 36 Allegro appassionato für Violoncello und Orchester Op. 43 Le Cygne (Der Schwan) aus: Karneval der Tiere SWR music / hänssler CLASSIC, Best.-Nr. 93.222 Klassiker und Revolutionär Er war Pianist, Organist und Cembalist, Dirigent, Musikwissenschaftler, Dramatiker, Naturwissenschaftler und Philosoph, Ethnologe und Karikaturist, Journalist und Astronom: Camille Saint-Saëns war ein echtes Universalgenie! Heute erfährt vor allem der Komponist Saint-Saëns Aufmerksamkeit – ein Multitalent, das in jedem musikalischen Genre Kompositionen hinterlassen hat. 1835 wurde er in Paris geboren, galt als Wunderkind am Klavier und wirkte als Organist an verschiedenen Pariser Kirchen. 1871 gründete er die Societé Nationale de Musique zur Förderung der französischen Musik. Die Académie des Beaux-Arts ernannte ihn 1895 zu ihrem Präsidenten. Sein unruhiges Leben war von Reisen und Konzerten als Pianist und Dirigent seiner eigenen Werke geprägt. Am 6. Dezember 1921 gab er sein letztes Konzert; zehn Tage später starb er in Algier. Camille Saint-Saëns’ Leben lässt wenig Rückschlüsse auf sein musikalisches Schaffen zu. Er war ein Einzelgänger, der keiner bestimmten Schule oder Bewegung angehörte. In der musikalischen Form orientierte er sich an den klassischen Idealen, die er aber mit eigenen, unkonventionellen Mitteln erweiterte und abwandelte. Das zeigen auch die beiden Cellokonzerte auf dieser CD: Im ersten Konzert op. 33 (1872) schreibt Saint-Saëns statt der klassischen dreisätzigen Konzertform nur einen Satz, der aber in konzentrierter, kondensierter Form drei Sätze in sich birgt. Im zweiten Konzert op. 119 (1902) fasst der Komponist vier Teile in zwei Großabschnitten zusammen. Der Schwan aus dem Karneval der Tiere (1886) ist eines seiner populärsten Stücke. Das Allegro appassionato, 1875 für Violoncello und Klavier komponiert, und die Suite op. 16, 1862 für dieselbe Besetzung geschrieben, wurden vom Komponisten wenig später orchestriert, ebenso wie die 1874 ursprünglich für Horn komponierte Romance F-Dur op. 36. Johannes Moser im Gespräch mit Kerstin Gebel KG: Johannes Moser, welche Bedeutung hat der Komponist Saint-Saëns innerhalb Ihres musikalischen Repertoires? JM: Die auf dieser CD eingespielten Werke symbolisieren für mich Vergangenheit und Zukunft meines musikalischen Werdeganges. Das erste Cellokonzert von Saint-Saëns spielte ich in meinem ersten Konzert mit Orchester, das ich mit sechzehn Jahren gab. Mit dem ,Allegro appassionato’ verbinde ich meinen ersten Wettbewerb ,Jugend musiziert’ mit 14 Jahren. An den ,Schwan’ habe ich ganz persönliche Erinnerungen: Dieses Stück habe ich als Student vielfach im Rahmen des Projektes ,Live Music Now’ gespielt, ein Projekt, das Konzerte in Gefängnissen, in Krankenhäusern, in Altenpflegeheimen oder in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen veranstaltet. Damit verbinde ich viele emotionale Begegnungen. Was die Gegenwart angeht, so interessieren mich, sowohl im Konzert- als auch im Kammermusik-Bereich, immer häufiger Werke, die selten aufgeführt werden und quasi eines musikalischen Advokaten bedürfen. Das trifft sicher auf das zweite Cellokonzert oder die Suite zu. Der besondere Reiz für mich dabei ist, dass auf unbekannteren Werken nicht das Schwergewicht der Tradition lastet, so dass ich viel unbefangener agieren kann. KG: Wie behandelt Saint-Saëns den Solopart im Verhältnis zum Orchesterapparat? JM: Saint-Saëns strebt ein geradezu unerhörtes Gleichgewicht zwischen Solopart und Orchester an. Das Orchester hat bei ihm nie eine rein begleitende Funktion, kein anderes Solokonzert oder Konzertstück, das im 19. Jahrhundert in Frankreich geschrieben wurde, kann sich in Hinblick auf den Orchesterapparat an Farbigkeit und Subtilität mit den Werken von Saint-Saëns messen. Bei ihm tritt auch der Solist viel weiter zurück als in den Werken seiner Zeitgenossen. Das Solocello und das Orchester, darin vor allem die Bläserstimmen, sind eng miteinander verwoben, und melodische Linien werden in seinen Kompositionen oft gleichberechtigt vom Solo und dem Orchester getragen. Und das im 19. Jahrhundert, in dem die Melodie und die wichtigen Themen bisher in erster Linie dem Soloinstrument vorbehalten waren! Das stieß bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis. So ist, wenn man sich als Interpret mit der Musik von Saint-Saëns beschäftigt, für ein tieferes Verständnis seiner Werke eine umfassende Kenntnis aller Stimmen der Partitur absolut notwendig. KG: Was erwartet den Hörer der beiden Cellokonzerte? JM: Die beiden Cellokonzerte sind sehr unterschiedlich: Das Erste ist, vom technischen Standpunkt betrachtet, relativ leicht zu bewältigen; es hat einen ungestümen, mitreißenden romantischen Gestus und lässt Solist und Orchester gleichermaßen brillieren. Es gilt in der Celloliteratur als eines der populärsten Werke überhaupt und ist eigentlich schon fast zwangsläufig ein Publikumserfolg! Das zweite Konzert ist in vielerlei Hinsicht komplexer: Zum Beispiel muss man gleich zu Beginn knifflige Doppelgriffpassagen meistern und auch im Ausdruck macht es der Komponist den Interpreten nicht leicht, indem er eine stilistische Gratwanderung zwischen klassischem Musikverständnis und neoromantischem Gestus verlangt; noch dazu ist die Form nicht ganz so homogen und leicht verständlich wie im ersten Konzert, aber ich liebe die Mischung der stolzen und virtuosen Ecksätze mit dem verspielt naiven langsamen Mittelsatz und der opernhaften, rezitativischen Kadenz. Interessant ist auch, dass Saint-Saëns die Cellostimme dieses Konzerts durchweg auf zwei Notensystemen wie in einer Klavierpartitur notiert hat. KG: Im Zeitalter der romantischen Empfindungen war Saint-Saëns ein Einzelgänger und seine Musik wurde oft als ,unterkühlt’ kritisiert. Oder um es mit Busoni zu sagen: ,Man kann seiner Musik nicht entnehmen, ob er gütig, liebes- oder leidensfähig war.’ Welchen Interpretationsansatz hatten Sie bei dieser Aufnahme? JM: Man hört oft den Satz, ein Interpret sei nichts ohne den Komponisten; aber bei den Kompositionen von Saint-Saëns fällt dem Interpreten aus meiner Sicht eine wesentliche Rolle bei der Komplettierung der musikalischen Substanz zu. Seine Kritiker haben über Saint-Saëns geschrieben, er formuliere ,musikalische Algebra’. Das halte ich persönlich für überspitzt, aber da er ein fanatischer Verfechter der Suche nach der vollendeten Form war, ist es nun Aufgabe des Interpreten, dieser Form Leben einzuhauchen. Und das ist für mich natürlich besonders reizvoll: Ich bin nicht nur reproduzierender Klangerzeuger, sondern meine musikalische Kreativität ist besonders gefragt und gefordert. Außerdem war ich natürlich von der Klangkultur des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart hingerissen, das mich mit seinem schlanken, transparenten ,Stuttgart Sound’ und der spontanen Spielfreude begeistert und inspiriert hat. KG: ,Wenn man nur nach Gefühlen verlangt, verschwindet die Kunst‘, sagte Saint-Saëns einmal. Wie gehen Sie als Interpret mit dieser Aussage um? JM: Diese Aussage gilt für mich damals wie heute. Wenn man Kunst nur nach ihrem emotionalen Gehalt vordergründig behandelt, so bleibt sie in vielen Fällen illustrativ und gefällig. Wenn ich Kompositionen von Saint-Saëns spiele, ist das für mich natürlich immer auch ein emotionaler Akt, der aber besonders durch formale Gesichtspunkte gestützt wird. Es ist eine Art Emotionalität, die mich nur bedingt involviert. Als krasses Gegenbeispiel könnte ich das Cellokonzert von Edward Elgar anführen, wo man als Hörer und Interpret schon mal einen emotionalen Totalschaden erleiden kann. Das wird einem bei Saint-Saëns nicht passieren. Ich bin bewegt, bin angesprochen, lasse mich von seiner Musik begeistern, ich werde aber nicht davon überrollt. Es ist eine organisierte, objektive Emotionalität. » zurück zur Übersicht der Künstler |