Johannes Moser - Debüt-CDKontakt Virginia Tutila public relations for classical music Krenkelstr. 22 D-01309 Dresden Dresden +49 (0)351 - 31 39 769 +49 (0)351 - 31 40 809 virginia@tutila.de www.johannes-moser.de |
Pressetext | Interpreten | TracksECHO KLASSIK 2007„Der mit dem Violoncello tanzt“ - Süddeutsche Zeitung Seit seinem fulminanten Sieg beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau vor vier Jahren hat er die internationale Musikwelt im Sturm erobert. Das Publikum ist stets hingerissen von seinen Interpretationen, die Presse überschlägt sich mit Lob. „Nach dem Tod Boris Pergamenschikows und Siegfried Palms liegt die Zukunft des Cellospiels bei jungen Meistern wie Moser in besten Händen“ - Hessisch-Niedersächsische Allgemeine Entgegen allen Erwartungen hat sich Johannes Moser nicht für das gängige Cello-Repertoire entschieden, sondern überrascht auf seiner ersten CD mit einem russischen Programm. Im Mittelpunkt seiner Aufnahme stehen Dmitrij Schostakowitsch, das fast vergessene „Geburtstagkind“ in diesem Jahr, sowie zwei weniger bekannte Komponistenfreunde – Moisey Weinberg und Boris Tschaikowsky - aus seinem Umfeld. Mit Paul Rivinius steht ihm auf seiner Debüt-CD ein ebenbürtiger Partner zur Seite. „Jung, sympathisch und von großer künstlerischer Reife – so lässt sich der Auftritt des Duos kurz und knapp zusammenfassen“ - Neue Württembergische Zeitung Booklet-Text: VOM RINGEN UM GEISTIGE INTEGRITÄT Zu den Cellosonaten von Dmitrij Schostakowitsch, Moisey Weinberg und Boris Tschaikowsky Als Schostakowitsch 1934 seine Sonate für Violoncello und Klavier komponierte, war zwei Jahre zuvor der Sozialistische Realismus zur verbindlichen Kunstdoktrin für die Literatur erklärt worden: Neben parteilicher Widerspiegelung des Lebens wurden u.a. Allgemeinverständlichkeit, Volkstümlichkeit und Orientierung am künstlerischen Erbe gefordert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Richtlinien für alle Künste galten. Als am 28. Januar 1936 das mächtige ZK-Organ der KPdSU, die Prawda, in fetten Lettern »Chaos statt Musik« titelte und Schostakowitschs zweite Oper Lady Macbeth meinte, begann die Stalin’sche Kulturrevolution, die die Durchsetzung des Sozialistischen Realismus zum Ziel hatte und der im Zuge des Großen Terrors Dutzende Künstler zum Opfer fielen. Sah Schostakowitsch 1934 dies voraus? Zumindest fällt auf, dass in der Cellosonate avantgardistische Schreibweisen fehlen, obwohl er zuvor innovative Werke wie die 1. Klaviersonate (1926), die 2. Sinfonie (1927) oder seine Erstlingsoper Die Nase (1927/28) komponiert hatte. So ist der erste Satz der Cellosonate ein Sonatensatz, der sogar die klassische Wiederholung der Exposition vorsieht. Der zweite Satz scheint hingegen der Forderung nach Volkstümlichkeit Tribut zu zollen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn tatsächlich entpuppt sich der Sonatenhauptsatz als impressionistische Reflexion, wie sie gerade unter Stalin als bürgerlich-dekadent verpönt war. Schattenhaft stimmt in der Reprise das Violoncello im zweifachen Piano unter Klaviertupfern in das Hauptthema ein und offenbart Schostakowitschs Talent, hoffnungslose Leere zum Tönen zu bringen. Das Largo greift die mit dem Sozialistischen Realismus nicht zu vereinbarende düstere Stimmung wieder auf. Dazwischen nun der derb-banal polternde zweite Satz: Auch in späteren Scherzosätzen wird Schostakowitsch der geforderten russischen Volkstümlichkeit nichts Positives abgewinnen. Im letzten Satz, der als Schubert’scher Rausschmeißer endet, blitzt schließlich Schostakowitschs bissige Groteske auf. Es nimmt nicht wunder, dass Stalins Pamphletist Marian Kowal 1948 im Zuge der zweiten Stalin’schen Kulturkampagne in dem Werk die »ausgefallensten formalistischen Kunststücke« ausmacht. Denn die Cellosonate stellt Schostakowitschs Ringen um geistige Integrität unter Beweis, worin er ebenso für spätere Generationen zum Vorbild wurde – so auch für Moisey Weinberg und Boris Tschaikowsky, die beide im Februar 1996 verstarben. Sowohl seinen Kompositionsschüler Tschaikowsky als auch seinen indirekten Schüler Weinberg hielt Schostakowitsch für außerordentlich begabt. Gerade Weinbergs Schicksal verdeutlicht Schostakowitschs humanitäres Engagement, das sich nicht nur künstlerisch äußerte. 1948 wurde nämlich u.a. neben Schostakowitschs auch Weinbergs Musik als volksfeindlich diffamiert. Da diese zweite Stalin’sche Kulturkampagne antijüdische Tendenzen trug, Weinberg jüdischer Abstammung war und außerdem mit der Tochter des kurz zuvor ermordeten jüdischen Schauspielers und Leiters des Moskauer Jiddischen Theaters, Solomon Michoëls, verheiratet war, wurde seine Lage brenzlig. Als dann auch noch der Onkel seiner Ehefrau – ein hochrangiger Physiker – kurz vor Stalins Tod zum Volksfeind erklärt wurde, folgte Weinbergs Verhaftung: Ein Brief von Schostakowitsch rettete ihn vor dem sicheren Tod. Deutlich schimmern in Weinbergs 2. Sonate für Violoncello und Klavier von 1958/59 und Tschaikowskys Sonate für Violoncello und Klavier von 1957 das Vorbild Schostakowitsch durch. Denn einerseits werden Themen nicht wie sonst im Sozialistischen Realismus zum gegenseitigen Konflikt geführt, sondern gewandelt. Andererseits äußern sich eng-nervöse Chromatik, dichte Melodieführung, markante Rhythmik und der Widerspruch von Dissonanz und Konsonanz. Wie bei Schostakowitsch stellen schließlich die langsamen Mittelsätze in sich gekehrte Reflexionen dar, während die Schlusssätze den bissigen Scherzocharakter aufgreifen. Und so ist diese CD ein besonderer Beitrag zum 100. Geburtstag von Schostakowitsch 2006 und erinnert zugleich an Weinbergs und Tschaikowskys Tod vor zehn Jahren. Marco Frei » zurück zur Übersicht der Künstler |