Alina Ibragimova (Violine)Kontakt Virginia Tutila Public Relations / Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg Krenkelstr. 22 D-01309 Dresden +49 (0)351 - 31 40 809 virginia@tutila.de www.virginia-tutila.de |
Pressetext | Diskographie | DownloadsRoslavets - Violin Concertos (VÖ: 21. November 2008)Alina Ibragimova, Violine BBC Scottish Symphony Orchestra Ilan Volkov, Dirigent Label: Hyperion, Best.-Nr. CDA67637 Vertrieb Deutschland: Codaex Deutschland GmbH Hörprobe ROSLAWEZ Violinkonzerte Booklettext von Calum MacDonald, Übersetzung von Renate Wendel NIKOLAJ ANDREJEWITSCH ROSLAWEZ ist als eine der faszinierendsten Gestalten in der russischen Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgetreten. Anders als die meisten seiner Komponisten- Zeitgenossen der frühen sowjetischen Periode stammte er tatsächlich von einem bäuerlichen Hintergrund. In autobiographischen Skizzen von 1924 beschrieb er seinen Geburtsort Duschatino in der Ukraine, wo er am 4. Januar 1881 (oder 23. Dezember 1880 nach dem alten Kalender) das Licht der Welt erblickte, als „ein gottverlassenes, halb ukrainisches, halb weißrussisches Nest“. Roslawez studierte zuerst autodidaktisch Musik, besuchte dann in den 1890er Jahren Klassen in Kursk, der nächsten größeren Stadt, und wurde schließlich als Schüler am Moskauer Konservatorium aufgenommen, wo er Violine und Komposition bei Sergei Wassilenko und Michail Ippolitow-Iwanow studierte. Er graduierte 1912 und gewann die Silbermedaille für seine von Byrons poetischem Drama inspirierte Kantate Himmel und Erde. Selbst so früh schon war Roslawez neben Alexander Mossolow und Vincent Lourié mit Russlands neuer Avantgarde assoziiert. Er nahm an den lebhaften vom Futurismus, Symbolismus und anderen neuen Ideen angeregten künstlerischen Debatten teil und stand bildenden Künstlern wie Malewitsch nahe. Roslawez hieß die Revolutionen von 1917 willkommen, und nach der bolschewikischen Revolution im Oktober wurde er zum Direktor des Konservatoriums von Charkow ernannt, wo er bis 1924 blieb, als er nach Moskau zurückkehrte und eine Position im Staatlichen Musikverlag einnahm. Der nach seiner eigenen Beschreibung „extrem linke“ und „intellektuell kreative Proletarier“ Roslawez leitete die Politische Abteilung des Verlags, gab die Zeitschrift Muzykalnaya Kultura heraus und war (zusammen mit seinem Zeitgenossen und Freund Nikolaj Mjaskowski) einer der Leiter der progressivsten unter den verschiedenen neuen musikalischen Organisationen, die in der UdSSR um Aufmerksamkeit heischten: der Assoziation zeitgenössischer Musik. Zu seinen Kollegen gehörten Mjaskowski, Mossolow, Popow und Schostakowitsch. Der Zehnte Jahrestag der Oktoberrevolution wurde 1927 mit einem Konzert gefeiert, das die Uraufführung von Roslawez’ Kantate Oktober im gleichen Programm mit Schostakowitschs Symphonie Nr.2 „An den Oktober“ und Mossolows Die Eisengießerei erlebte. Aber Roslawez war dennoch ein engagierter Modernist. Die Ausrichtung seiner künstlerischen Sympathien wird durch seine Unterstützung von Aufführungen der Musik der Zweiten Wiener Schule und seine Autorschaft von Artikeln, darunter einem mit dem Titel „Über pseudoproletarische Musik“ offensichtlich. Seine Werke hatten schon mehrere Jahre lang unter dem Angriff der Anhänger der „proletarischen Musik“ gestanden, besonders den Mitgliedern des RAPM (Russischer Verband der proletarischen Musiker), die sie für gegenrevolutionär und spießbürgerliche Kunst um der Kunst willen hielten. Die endlose politische Kriegsführung laugte Roslawez aus. 1929 wurde als „Volksfeind“ denunziert und 1930 wurde er gezwungen, für seine früheren künstlerischen Überzeugungen öffentlich Buße zu tun. Er verbrachte einige Jahre in Taschkent in Usbekistan als Musikberater des Musiktheaters, kehrte aber 1933 nach Moskau zurück, wo er am Polytechnischen Institut Vorlesungen hielt und später Dirigenten von Militärkapellen trainieren musste. Er verdiente sich damit und mit anderen relativ niedrigen Aufgaben seinen Lebensunterhalt bis er 1940 endlich in den Komponistenverband aufgenommen wurde. Im gleichen Jahr erlitt er einen schweren Schlaganfall und war bis zu seinem Tode nach einem zweiten Schlaganfall Halbinvalide. Unmittelbar nach seinem Tode wurde seine Wohnung von einer Gruppe früherer „Proletarischer Musiker“ geplündert, die viele seiner Manuskripte beschlagnahmten, obwohl seine Witwe einige rettete. In den nächsten dreißig Jahren wurde Roslawez’ Name, der aus den Musiklexika gestrichen wurde, in der sowjetischen Musikliteratur kaum erwähnt. In der Folge der Perestroika gehörte Roslawez jedoch zu den kreativen Gestalten, die gründlich rehabilitiert wurden. Sein Grab im Wagankowo-Friedhof, das anonym geblieben war, wurde 1990 identifiziert; viele seiner Kompositionen wurden inzwischen wiederbelebt, veröffentlicht und aufgenommen. Bereits als Student produzierte Roslawez Musik, die für ihre Zeit und ihren Ort sehr gewagt war (man betrachte etwa In den Stunden des Neumonds, auf Hyperion CDA67484 eingespielt). Er war stark von Skrjabins späteren Werken beeinflusst, und sein harmonisches Idiom tendierte zu extremer Chromatik. Seine Suche nach einer persönlichen Musiksprache begann 1909 und führte 1913 dazu, dass er ein neues harmonisches System vorlegte, das auf „Synthetakkorden“ beruhte, die sowohl das horizontale sowie das vertikale Klangmaterial für ein Werk enthalten (ein Konzept, das Schönbergs früher Serialität nahe steht). Diese Prinzipien sind in den bemerkenswerten Heften von Etüden, Poemen, Präludien und Kompositionen für Soloklavier verankert, die er in den der Revolution unmittelbar vorhergehenden Jahren komponierte. (Eine Auswahl daraus wurde von Marc-André Hamelin auf Hyperion CDA66926 aufgenommen.) In Taschkent beschäftigte er sich, nachdem er in Ungnade gefallen war, eine Zeit lang mit der Arbeit mit Volksmaterial und produzierte das erste usbekische Ballett, Pachta („Baumwolle“). Die Werke aus seinen letzten Jahren in Moskau weisen eine Vereinfachung seiner charakteristischen Sprache auf, um ein klassischeres Konzept von Tonalität zu erlauben, behalten jedoch ihre individuelle Orientierung bei, wie etwa der späte Zyklus von 24 Präludien für Violine und Klavier. Roslawez komponierte sein Violinkonzert Nr. 1 1925, während er als Redakteur für den Staatlichen Musikverlag arbeitete. Es wurde zwei Jahre später im Klavierauszug veröffentlicht, und am 29. Mai 1929 in Moskau von P. Iltschenko und P. Nykitin in einem von der Assoziation zeitgenössischer Musik geförderten Konzert uraufgeführt. Es war zu Roslawez’ Lebzeiten nicht wieder zu hören, und nach seinem Tode wurde die Partitur, wenn sie überhaupt je existierte, für verloren gehalten, denn es waren nur Skizzen zu finden und in seinem eigenen Werkkatalog hatte Roslawez nur den Klavierauszug aufgeführt. In der Folge wurde in den letzten Jahrzehnten der Sowjetunion der Klavierauszug gelegentlich gespielt und sogar im Oktober 1979 bei der IRCAM in Paris aufgeführt. Der Komponist Edisson Denissow, der an der Vorfront des wiedererwachenden Interesses an Roslawez’ Kompositionen stand und dieses Violinkonzert als das schönste Violinkonzert des 20. Jahrhunderts betrachtete, hatte vor, seine eigene Orchesterpartitur anhand des Klavierauszugs anzufertigen. Glücklicherweise wurde Roslawez’ Partitur im Archiv des Staatlichen Musikverlags in Moskau entdeckt, bevor er seinen Plan ausführte. In der Folge war es eines der ersten Werke des „Roslawez-Revivals“, die der Öffentlichkeit vorgestellt wurden und wurde am 19. November 1989 von Tatiana Grindenko und den Moskauer Philharmonikern unter Fedor Gluschenko aufgeführt; Grindenko gab später viele Aufführungen in Russland und im Ausland. Das Konzert ist ein ambitiöses, groß angelegtes Werk (Roslawez verwendet ein großes Orchester mit dreifachen Holzbläsern und vollem Blech sowie Harfe und Klavier). Es entwickelt die Technik der „synthetischen“ (oder „thematischen Akkorde“), die Roslawez ursprünglich aus seinem Verständnis der späten Werke von Skrjabin entwickelt und in seinen Klavier- und Kammermusikwerken der unmittelbar vorhergehenden Jahre perfektioniert hatte. Es finden sich noch Spuren seines früheren skrjabinesken Stils, aber Roslawez’ Meisterung eines schlankeren, virtuosen und eleganten symphonischen Idioms tritt sofort deutlich zu Tage. Seine harmonischen und melodischen Neuerungen werden hier in eine relativ traditionelle dreisätzige Form gegossen, in der ein energischer erster Satz und Finale einen langsamen Mittelsatz umschließen, der durch eine Solokadenz mit dem ersten Satz verknüpft wird. Roslawez’ persönliche Anwendung von Prinzipien, die denen von Schönbergs Zwölftontechnik ähnlich sind, werden gleich am Anfang deutlich, wo Pizzicato-Celli und -Bässe eine Figur wiederholen, die aus sechs Tönen der chromatischen Tonleiter besteht und von den Violinen mit einer repetierten aufsteigenden Figur aus den anderen sechs beantwortet wird. Dies weist auf viele Situationen im Verlauf des Konzerts voraus, wo das Orchester sich auf eine Gruppe von Tonhöhen beschränkt und die Violine eine andere verwenden, die zusammen die ganze chromatische Tonleiter umfassen. Der Anfang des ersten Satzes, Allegretto grazioso, mit seinem Pizzicato Bass-Ostinato besitzt einen mechanischen Charakter, aber sobald die Violine sich mit ihrem ersten Einsatz in die Höhe geschwungen hat, werden wir in eine ekstatische Klangwelt entrückt, die eher an Skrjabin oder Szymanowski erinnert. Die Spannung zwischen straffen, regelmäßigen Rhythmen und ekstatischer Lässigkeit kreiert eine ungewöhnliche Polarität, die für das Werk wesentlich ist. Ein polyphonerer Più mosso-Abschnitt, formal ein zweites Thema, wird durch düsterchromatische Schreibweise im Klavier und den tiefen Streichern eingeführt, steigert sich zu einem Höhepunkt und sinkt wieder in die Tiefe, bevor die Violine, im Dialog mit nur wenigen Instrumenten, wieder zu hören ist. Das Tempo wechselt zu einem scherzohaften Allegro vivace für eine hurtige Durchführung, die das bisher gehörte Material verarbeitet und dann der Violine, grazioso e capriccioso, die am meisten lyrisch-diatonische Musik bis dahin gibt, obwohl sie über einer Form des einleitenden Bass-Ostinatos gesponnen wird. Dieses Ostinato erscheint dann, transponiert, in seiner Originalgestalt, um den Anfang der Reprise anzuzeigen. Die Violine schwebt bald wieder - in leidenschaftlichen Oktaven, die Roslawez mit entusiastico markiert - über dem Orchester. Nach einer Giocoso-Episode mit nahezu unablässiger Violinfiguration kehrt das vom Klavier dominierte Più mosso zurück. Es sinkt wiederum in die Tiefe, aber das Orchestergewebe weitet sich in einem strahlenden weitgefächerten Akkord nach oben aus, der ein Sprungbrett für eine brillant verwickelte „Quasi cadenza“ des Geigers in freiem Tempo bietet - ein eleganter, eloquenter, bravouröser Erguss voller Doppelund Quadrupel-Griffe, freier Polyphonie, Läufen und Trillern, die direkt in den langsamen Satz überleitet. Dieser ist ein groß angelegtes Adagio sostenuto, das mit winterlichen Tremolandos in den Streichern und melancholischen Holzbläsersoli beginnt (die fünfnotige Klarinettenfigur, die ganz am Anfang zu hören ist, bleibt ein thematischer Kernpunkt für vieles, das folgt). Die Violine rhapsodiert gegen beharrlich wiederholte motivische Figuren, die von Instrument zu Instrument weitergereicht werden. Die Intensität, überladene Harmonik und polyphone Dichte, die bald zu einer orchestralen Steigerung führen, machen ganz deutlich, warum viele seiner Landsleute Roslawez als einen russischen Schönberg betrachteten - obwohl es Schönbergs frühe Werke sind, die ihre offensichtlichste Parallele in dieser Musik haben. Wie in einigen anderen langsamen Sätzen von Roslawez ist die Form explorativ, sich ständig entwickelnd, nahezu wie eine Tondichtung mit obligater Violine. Ein schnelleres con moto setzt die Violine vorwiegend gegen Soloholzbläser trotz vollerer con passione-Ausbrüche. Nach einem lyrischen Duett zwischen Violine und Harfe kehrt die Musik für ein molto tranquillo markiertes leuchtend romantisches Orchestertutti zum Adagio Tempo zurück; die Violine reagiert in launischerem, fantastischem Stil. Alles bislang gehörte Material kehrt in variierter Form und verschiedenen Instrumentalfärbungen wieder. (Man ist sich ständig bewusst, dass es im Klavierauszug des Konzerts mit Violine schlicht unmöglich gewesen wäre, Roslawez’ schiere Meisterschaft orchestraler Timbres zu erfassen.) In der delikaten Coda, artikulieren Harfe und Solostreicher einen weitgefächerten Zehnton-Akkord, gegen den die Violine, wie mit einem Seufzer zu ihrem tiefsten G absteigt. Das Finale (Allegro moderato, risoluto) ist ein Satz voll beharrlicher Rhythmen, gehetzt und spukhaft, aber mit aufregendem Impuls. Das Hauptthema, das von der Violine angekündigt wird, ist eine prahlerische, fanfarenhafte Idee, die von nachdrücklichen punktierten Rhythmen getrieben wird. Ein lyrischeres Thema, espressivo, ist gegen die Triolenfigurationen in Hörnern und Trompeten zu hören. Diese Ideen wechseln sich in eiliger Gegenüberstellung ab. Eine chromatischere dritte Idee in der Violine wird bald durch die Rückkehr der punktierten Rhythmen, con agitazione, beiseite gewischt; dies führt eine emotionale Steigerung herbei, in der die Violine sich anstrengen muss, um über die Macht des ganzen Orchesters gehört zu werden. Über einem Wirbel der Basstrommel wird die Jagd mit frischen Instrumentalfarben wieder aufgenommen. Die Figur der punktierten Rhythmen dominiert bis zum Ende, con fuoco, und der Fanfarencharakter verwandelt sich in eine echte Fanfare für Trompeten bevor das Werk mit zuckenden Akkorden schließt. Während das Violinkonzert Nr. 1 zu den ersten Werken gehörte, die halfen, Roslawez’ Ansehen wieder zu etablieren, blieb die Existenz eines zweiten Violinkonzerts Spekulation; die Partitur wurde erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt. Das Violinkonzert Nr. 2 wurde 1936 vollendet, und wurde also kurz nach seiner bemerkenswerten Kammersymphonie von 1934–35 (auf Hyperion CDA67484) geschrieben. Daher gehört es zu der Periode nach Roslawez’ Rückkehr nach Moskau von Usbekistan, als er scheinbar seinen Ruf als Komponist substantieller Werke wieder etablieren wollte, aber nach den notorischen Prawda-Denunziationen von Schostakowisch und musikalischem Modernismus im Januar 1936 glaubte er wohl, dass es nur wenig Aussichten auf eine Aufführung haben würde. Die Aufführung auf der vorliegenden CD ist in der Tat die Uraufführung. Während Roslawez’ erstes Violinkonzert unter den bedeutendsten russischen Werken seiner Ära rangieren muss, schein das zweite in vieler Hinsicht ein leichteres Stück. Es verwendet die gleiche dreisätzige Form, ist aber insgesamt kürzer (der zweite und dritte Satz sind relativ kurz) und verlangt ein etwas kleineres Orchester. Im Vergleich zum Konzert Nr. 1 wurde es - wie die letzten beiden Sätze der Kammersymphonie - in einem harmonisch vereinfachten, stärker tonalen Stil mit einem deutlichen tonalen Zentrum auf D-Dur geschrieben. Seine Formen sind eher knapp: es findet weniger Verarbeitung des Materials statt, aber unter seinen Dur-Prätentionen fließt eine anhaltende dunklere Strömung, die für den früheren Roslawez typisch ist. Es scheint jedoch außerdem fast sicher, dass Roslawez im zweiten Konzert (wie im Scherzo der Kammersymphonie) usbekische oder zumindest zentralasiatische Volksmelodien anklingen lässt, ob als Zitat oder Imitation. Das Anfangsthema des ersten Satzes trägt diesen Charakter und wird (nach der Einfügung eines einer Figur in punktierte Rhythmus, die sich zur Verarbeitung eignet) praktisch in Technicolor gehandhabt, bevor das anfängliche Tutti abebbt. Der bemerkenswerte rezitativhafte erste Einsatz der Violine, begleitet von Paukenwirbel und Harfenglissando, setzt sich mit der zierreichen Dekoration eines zweiten Themas fort: dieses wird wiederholt und ausgedehnt und leitet in eine schnellere Durchführung über, in der die Violine sofort das Anfangsthema übernimmt, sich aber scheinbar damit zufrieden gibt, Fragmente in Flageolett und dekorativen Elementen zu spielen. Eines der faszinierenden Merkmale dieses Satzes ist sogar die verhältnismäßige Schlichtheit seines melodischen Materials, das der Komplexität und Bravour der Schreibweise für die Solovioline entgegengesetzt wird. Das wilde Rezitativ kehrt zurück, leitet diesmal aber in eine lebhafte vivo-Coda über. Der langsame Saz, Adagio, steht in verhältnismäßig simpler dreiteiliger Form. Er beginnt in F mit einer substantiellen Orchestereinleitung, in der ein anfängliches volkstümliches Thema bald zu nur einem einzelnen Faden in der Polyphonie des Orchesters wird. Dann übernimmt es die Violine, wieder in stark verzierter Form. Ein kontrastierendes Thema erscheint in a-Moll, im gleichen Tempo, das den Mittelteil bildet, und ein kurzes unbegleitetes Solo führt in eine weiter ausgeführte Fassung des Anfangsteils mit einer kurzen Coda, in der die Violine sich schließlich in die Höhe schwingt, um auf einem hohen F zu schließen. Die Stimmung ist durchweg elegisch und bedrückt, aber üppig harmonisiert. Das Finale, Allegro giocoso, beginnt mit einem fröhlichen Hauptthema, dessen Hautmotiv eine Dreiklangsidee von Zweitonfiguren ist, die in Terzen auf und ab hüpfen. Je mehr diese Figur zum Bass gravitiert, wechselt die Tonalität nach fis-moll, und die Violine singt von Harfe und Klarinetten begleitet ein langatmiges espressivo-Thema, das eng mit der volksliedhaften Melodie verwandt ist, mit dem das Konzert begann. Eine mysteriöse Überleitung führt zur überschwänglichen Idee zurück, mit der das Finale begann, wonach eine zweite Episode in Es sich mit einem weiteren volkstümlichen dolce-Thema entwickelt - in das das giocoso-Thema einbricht und alle in eine halsbrecherische Coda drängt. Obwohl sie brillant wirkungsvoll sind, scheinen sowohl dieses Finale als auch der langsame Satz eher verkümmert, als ob Roslawez unwillig war, das ganze expressive Potential seines Materials auszunutzen. Oder vielleicht beabsichtigte er einen Kommentar über eine Zeit, die Optimismus verlangte und keine Zeit zum Nachdenken hatte. Was auch immer der Grund, dieses Konzert bleibt ein ausgezeichnetes Vehikel für die Solovioline und hat die Vergessenheit, die bislang sein Schicksal war, gewiss nicht verdient. Debüt-CD: Hartmann - Concerto funebre, Sonatas & Suites for solo violin Alina Ibragimova, Violine Britten Sinfonia Label: Hyperion Records Best.-Nr. CDA67547 Vertrieb Deutschland: Codaex Deutschland GmbH Vertrieb Österreich: Gramola Winter & Co Vertrieb Schweiz: Musikontakt Mehr Informationen zur CD » zurück zur Übersicht der Künstler |