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Jenny Abel (Violine)

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Pressespiegel für "Requiem für Kaza Kathárinna"

Feature über das "Requiem für Kaza Kathárinna"
10. November 2008, 19:05 Uhr
SWR, "Musikpassagen", eine Sendung von Annette Sidhu-Ingenhoff

"Deutsche Kapellmeistertradition auf höchstem Niveau"
Der Dirigent Horst Stein (1928-2008)
Nachtkonzert vom Deutschlandfunk, 2.05-3.00 Uhr
14. Oktober 2008

Interview mit Jenny Abel
Sendung "Zur Person", 15.00 Uhr
SWR, 5. Oktober 2008

Ein Requiem für verfolgte Zigeuner
Pizzicato / Luxemburg, Ausgabe Juli 2008

Keine Musik zum Einlullen
Trierischer Volksfreund, 17. Juni 2008

Musik gegen Verfolgung und Vergessen
Trierischer Volksfreund, 12. Juni 2008

Requiem für Kaza Kathárinna
Luxemburger Wort, 3. Juni 2008

Beeindruckend und bedrückend
Badische Neueste Nachrichten, 26. Mai 2008

Künstlerisches Denkmal für geschundenes Volk der Sinti und Roma
Badisches Tagblatt, 26. Mai 2008

Sendung „Musik aktuell“
SWR 2, 23. Mai 2008

"Ein Denkmal für alle verfolgten Sinti und Roma"
Badische Neueste Nachrichten, 23. Mai 2008
 
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Fragen an Jenny Abel
Das Interview führte Virginia Tutila am 10.April 2008 in Wien

VT: Als Violinistin haben sie Weltruf, Ihr Name ist international bekannter als in Deutschland. Dass sich hinter der renommierten Geigerin Jenny Abel eine politisch stark engagierte Musikerin verbirgt, ist wahrscheinlich weniger bekannt. Sie haben nach der Kulturrevolution als erste Deutsche in Peking debütiert. In welchem Jahr war das? War das noch vor Karajans Auftritt?

JA: Ja, ich war noch vor Karajan dort. Ich konzertierte zweimal in Peking. 1984 und 1985 spielte ich als erste deutsche Solistin mit dem Peking Symphonie-Orchester Konzerte von Schumann, Dvorak, Bach und Mozart.

VT: Sie waren vor der Wende auch in Polen, Bulgarien, Rumänien und als Musikbotschafterin nach dem Bosnienkrieg in Sarajevo…

JA: … auch in Tschechien und Ungarn. Das erste Konzert nach dem Bosnienkrieg organisierte das Deutsche Auswärtige Amt. In diesem „Konzert der Nationen“ wirkten alle ursprünglich verfeindeten Nationen von Sarajevo mit. Zusammen mit der „Sarajevo Philharmonie“ spielte ich Violinkonzerte von Bach und Beethoven. Es war ein grandioses Konzert in einer unglaublichen Atmosphäre. Die Mitglieder des Orchesters hatten selbst während des Krieges vor vollen Konzertsälen musiziert, denn die Menschen waren oft unter Lebensgefahr in die Konzerte gelaufen. Zu diesem ersten Nach-Kriegs-Konzert kamen auch all jene Musiker des Orchesters zurück, die geflüchtet waren und mittlerweile in anderen Ensembles spielten. Einige waren jedoch im Krieg gefallen.

VT: In diesen Tagen steht Ihre Initiative gegen Rassismus im Vordergrund. Sie haben damit schon einige Kompositionen angeregt, so auch Gerhard Rosenfelds „Requiem für Kaza Kathárinna“. Wie kam es zu diesem Werk?

JA: Ich machte den Komponisten Gerhard Rosenfeld mit der Textautorin Anita Geigges bekannt weil ich wusste, dass beide den von den Nationalsozialisten verfolgten und umgebrachten Sinti und Roma ein Denkmal setzen wollten. Gerhard Rosenfeld lebte damals in Potsdam, Anita Geigges in Baden-Baden. Dort arbeiteten sie zusammen und es entstand das „Requiem für Kaza Kathárinna“. Das Werk wurde 1990 uraufgeführt.

VT: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, sich für Sinti und Roma zu engagieren?

JA: Ich habe Schnuckenack Reinhardt, den großen „Zigeuner-Primas“, immer sehr bewundert und wollte gern mit ihm etwas zusammen machen. Dann stellte sich heraus, dass Anita Geigges ihn gut kannte. Sie hat sich viel mit der Geschichte der Sinti und Roma befasst und hat ein Standardwerk über die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma geschrieben. Sie besuchte Auschwitz und hat dort als Erste versucht, die Toten-Bücher aufzuarbeiten. Es war also ein Zufall, dass ich über sie Schnuckenack Reinhardt kennenlernte, mit dem ich dann das Requiem zusammen aufführte.

VT: Sie haben die Autoren nicht nur zur Entstehung des Requiems inspiriert, sondern sie setzen sich auch seit 18 Jahren aktiv für die Aufführungen des Werkes ein.

JA: Gerhard Rosenfeld und Anita Geigges beschreiben in ihrem dreiteiligen Werk das Leben einer 1908 in Deutschland geborenen Sintizza, die Auschwitz überlebte und 1984 in Deutschland starb. Rosenfeld konfrontiert dabei Neue Kammermusik mit zigeunerischer Folklore. Bei der Uraufführung musizierte die berühmte Band „Sinti Swing Berlin“ zusammen mit dem „Schnuckenack Reinhardt Quintett“. Es ging darum, ein unterschiedliches Publikum anzusprechen und es gemeinsam in einen Konzertsaal zu führen. Die ursprünglich aus künstlerischen Gründen herbeigeführte Mischung und Kombination wurde auch durch die menschlichen und politischen Hintergründe zu einem aufregenden Erlebnis.

VT: Eigentlich müssten die Veranstalter für so ein buntes, lebensbejahendes Stück sofort die Bühnen freimachen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

JA: Ja und nein. Ich habe erst kürzlich wieder erlebt, dass es in ganz unterschiedlichen Kreisen immer noch reaktionäre Kräfte gibt, die mit dieser Thematik nichts zu tun haben wollen und weiter Vorurteile hegen.
Das Motto für unsere Arbeit lieferte Yehudi Menuhin, der sagte: „Europa ist erst dann zivilisiert, wenn ein Zigeuner von Istanbul nach Dublin reisen kann, ohne dabei ständig schikaniert zu werden.“ Wir müssen immer noch gegen Widerstände kämpfen, aber bei den Aufführungen in Berlin, Hannover oder München zeigten sich die Zuhörer bewegt. Es gab berührende Begegnungen. Auch wenn es nicht leicht war, Veranstalter für das Requiem zu erwärmen, waren die Erfolge beeindruckend und bewirkten viel.

VT: Das Requiem ist nicht nur ein Beispiel für Ihr politisches Engagement, sondern auch ein Beweis Ihrer Leidenschaft für die Musik unserer Zeit. Es wurden und es werden immer wieder neue Kompositionen für Sie geschrieben. Hans Werner Henze hat sein vielleicht wichtigstes Violin-Werk, seine „sonata per violino solo“, Ihnen gewidmet. Was treibt Sie an, sich immer wieder Neuem zuzuwenden und dabei die intellektuelle und musikalische Herausforderung ebenso wenig zu fürchten wie die Überzeugungsarbeit bei Veranstaltern und Publikum?

JA: Musik ist lebendig. Sie kann es aber nur sein, wenn wir uns auch intensiv um die Musik unserer Zeit kümmern. Das ist etwas, was leider verloren gegangen ist. Zu Mozarts Zeiten zum Beispiel, war die Musik, die neu geschaffen wurde, auch die, die man hörte. Bach war da schon vergessen.
Im vergangenen Jahrhundert gab es dann einen großen Umschwung: Weiten Kreisen diente die Musik als Museum. Es wurde leichter, den musealen Umgang zu pflegen, als Neue Musik zu spielen. Erschwerend kam in Deutschland dann noch die Unterbrechung durch das „Dritte Reich“ hinzu: Die Neue Musik wurde als „entartet“ verunglimpft und verboten und die Menschen verlernten, Neues zu hören und sich damit auseinanderzusetzen. Das hat sicher wesentlich zum Bruch in der Rezeptionsgeschichte beigetragen. Hernach wurde die Neue Musik sozusagen „gettoisiert“, wurde in den Elfenbein-Turm gesperrt und nur für spezielle Konzerthäuser konzipiert. Es wird noch viel Zeit und Arbeit nötig sein, um die Situation zu „normalisieren“. Ich freue mich aber über doch gute Entwicklungen in dieser Richtung.
Ich bin mit der Neuen Musik aufgewachsen, schon weil meine Eltern sie beide liebten. Für mich war immer klar, dass Alte und Neue Musik zusammengehören, dass sie eigentlich eins sind. Ich lernte als Zuhörerin bei den Proben des Südwestfunkorchesters, dessen Chefdirigenten ich gut kannte, namhafte Komponisten wie Hartmann, Hindemith, Strawinksy und Boulez kennen. In frühester Jugend war Bach mein erster Held, es folgte Mozart und dann kam schon Bártok…

VT: Apropos Neue Musik: In diesem Jahr findet zum zweiten Mal im Herbst Ihr Festival „Ja…Musik!“ statt. Wie sieht Ihr Konzept aus, was erwartet Ihr Publikum?

JA: Mein ganzheitliches Denken reicht über die Musik hinaus und bezieht auch die Bildende Kunst – Malerei, Plastik, Fotografie – und das Wort mit ein. Eine Kunst lebt von der anderen. Im vergangenen Jahr, zur Premiere des Festivals, schuf die russische Komponistin Tamara Ibragimova ein Werk, das direkt inspiriert wurde von Bildern des Düsseldorfer Malers Bernd Schwarzer. Ihre „Widerspiegelungen“ sind für Violine, Harfe, Klavier, Schlagzeug, Sprecher und elektronische Zuspielung geschrieben.
In diesem Jahr läuft es umgekehrt: Die chilenisch-deutsche Künstlerin Ruth Fischer wird malend auf Musik von Olivier Messiaen, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, reagieren. Und auch auf Werke von Brahms, dessen 175. Geburtstag wir feiern.

VT: Das Festival ist geprägt von Ihrer Vielseitigkeit. Sie sind nicht nur Geigerin, sondern auch Pianistin und Komponistin und die Malerei nimmt in Ihrem Leben ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Auf welchem Boden konnten all Ihre Talente gedeihen?

JA: Ich bin in meiner Familie schon früh der Musik und der Kunst begegnet. Erste Anregungen bekam ich von meinem Onkel mütterlicherseits, dem Maler Otto Coenen, der zum Kreis der „Rheinischen Progressiven“ gehörte. Und da mein Vater gerne Musiker geworden wäre, erhielt ich auch auf musikalischem Gebiet alle erdenkliche Unterstützung: Ich habe sehr früh angefangen Geige zu spielen, bekam mit sechs Jahren den ersten Unterricht und begann kurz darauf, Klavier zu spielen. Als Zehnjährige durfte ich Kompositions- und Theorie-Unterricht besuchen, aber als ich mit 13 Jahren an der Musikhochschule bei Wolfgang Fortner in Freiburg Komposition studieren wollte, lehnte er mich als Mädchen ab. Deswegen konzentrierte ich mich auf die Geige. Klavierspiel und Malerei begleiteten mich dann noch ein Stück und brachten mir auch einige Preise und Ausstellungen ein.

VT: Sie wurden in Husum, im Theodor-Storm-Haus, geboren. Sind Sie verwandt mit Storm?

JA: Nein. Meine Eltern lebten in diesem Haus, weil sie befreundet waren mit der jüngsten Tochter Storms und einer Enkelin, mit der mein Vater musizierte.

VT: Woher nehmen Sie die Kraft für Ihre vielfältigen künstlerischen Aktionen?

JA: Aus meiner Begeisterung. Und aus meiner guten Gesundheit. Ich war als Kind und junges Mädchen häufig sehr krank und werde wohl deshalb jetzt verschont. Ich genieße meine Wege und empfange viel Gutes, von dem ich – aus Dankbarkeit – etwas zurückgeben möchte. Auch meine Neugier treibt mich voran und gibt mir immer wieder Kraft, mich zu engagieren und andere dazu anzuregen.


 

 
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